# 64 Frauen in der Bundeswehr: Dokumentation mit Teresa Halbreiter

Shownotes

Ein Schwerpunkt ihres Projekts lag auf Interviews mit Soldatinnen. Viele Gespräche führte sie erst später im privaten Rahmen, weil sie ehrliche und offene Berichte haben wollte. In der Kaserne selbst fotografierte sie zunächst dokumentarisch, später ergänzte sie die Arbeit durch inszenierte Bilder und Detailaufnahmen außerhalb der Kaserne.

Inhaltlich schildert sie vor allem die Unterschiede zwischen Anspruch und Realität. Sie spricht über den Frauenanteil in der Bundeswehr, über Teilzeit, Mutterschaft und die Schwierigkeiten, trotz formaler Möglichkeiten im Alltag wirklich gleichberechtigt eingebunden zu sein. Mehrfach nennt sie Machtgefälle, Anpassungsdruck und die Frage, ob von Frauen in der Bundeswehr eher Gleichbehandlung als echte Gleichstellung erwartet wird.

Hier geht es zu Teresas Bildern.

00:00:04 Preisgekröntes Projekt

00:01:18 Zugang zur Kaserne

00:04:04 Wut und Ablehnung

00:06:48 Fotografieren unter Aufsicht

00:10:07 Statische Bildsprache

00:13:34 Frauen als Minderheit

00:17:31 Familie und Dienst

00:20:30 Gleichbehandlung oder Gleichstellung

00:24:50 Muttersein im Militär

00:27:36 Der Titel Stillgestanden

00:29:59 Übergriff im Ausbilderzimmer

00:35:26 Blick auf die Bundeswehr

00:39:36 Reaktionen auf die Bilder

00:42:51 Neues Thema in Sicht

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Transkript anzeigen

00:00:00: Ja, da hab ich mich halt irgendwie gefragt in wie weit man das Integration nennen kann wenn einfach nur von einem erwartet wird sich wie ein Mann zu verhalten.

00:00:09: Theresa Halbreiter.

00:00:31: Was es damit auf sich hat, erzählt sie gleich selbst!

00:00:34: Vorab aber erst mal herzlichen Glückwunsch, Teresa zum Sony European Student Award.

00:00:43: Thank you so much!

00:00:45: Theresa, bevor du uns alles erzählst – wie bist überhaupt auf die Idee gekommen?

00:00:50: Nicht fotografisch mit Frauen in der Bundeswehr auseinanderzusetzen?

00:00:53: denn darum geht's in ein Projekt.

00:00:55: Genau, darum gehts.

00:00:58: habe mich grundsätzlich in der Vergangenheit schon gerne mit weiblichen Themen beschäftigt, auch in der Fotografie.

00:01:08: So ein bisschen den Zugang dazu gefunden, seitdem ich in eine neue Stadt gezogen bin nahe einer Kaserne und das war parallel in einem Uniseminal wo uns dann die Aufgabe gestellt wurde.

00:01:21: Was macht die Wut?

00:01:22: Wir sollen uns mit einem Thema was uns in irgendeiner Form mit Wut oder etwas mit Wutt zu tun hat auseinandersetzen.

00:01:32: Gleichzeitig in dem Zeitpunkt kam dieser Umzug, bei dem ich auf einmal wahnsinnig viele junge Soldaten und Soldatinnen an meiner Wohnung vorbeilaufen sehe.

00:01:43: Ich habe mich gefragt, wo wollen sie denn eigentlich hin?

00:01:45: Und habe gemerkt, dass wir ganz nahe an einer aktiven Kaserne wohnen.

00:01:50: Und habe dann angefangen, diese Frauen auf der Straße anzusprechen und mir zu überlegen.

00:01:55: Ich möchte wissen was die bewegt sich für diesen Beruf zu entscheiden und wollte wissen wie das Leben hinter diesen Natrodraht-Zäunen aussieht.

00:02:04: Und hab dann angefange langsam zu recherchieren und eben auch den Zugang oder ja probiert diesen Zugang zu bekommen überhaupt rein in eine Kaserne zu kommen und vor Ort fotografieren zu dürfen.

00:02:17: Das ist spannend, kannst du das mal ein bisschen genauer erzählen wie man da überhaupt Zugang bekommt?

00:02:22: Ja das ist gar nicht so leicht.

00:02:23: Es hat ungefähr auch ja fast vier Monate, dreieinhalb Monate gedauert und es läuft ganz normal.

00:02:30: jede Kaserne hat eine... Presse-Stelle oder die allermeisten haben eine Presse Stelle, da habe ich mich an den damals zuständigen Presseoffizier gewendet und hab erstmal per E-Mail versucht jemanden zu erreichen.

00:02:43: Und mich in mein Projekt vorgestellt oder die Idee, die ich da hatte.

00:02:47: Da ging es noch vor allem auch um die Frage der Gleichstellung vor Ort.

00:02:50: Das hat sich dann im Laufe der Arbeit ein bisschen verändert meinen Ansatz Und dann kam ganz lange nichts.

00:02:56: Ich habe auch mehrfach telefonisch versucht jemanden zu erreichen, bis ich irgendwann mal zurückgerufen wurde und mich auf diese E-Mail... nochmal befassen konnte und dann irgendwann weiter geleitet wurde an den zuständigen Oberstleutnanten, der das am Ende entscheidet.

00:03:13: Also es war da nicht einfach so okay sondern es wurde noch mal alles weiter gereicht und irgendwann wurde ich eingeladen nach vielen vielen Anrufen und Nachfragen wie's jetzt weitergeht.

00:03:24: also das hat einfach echt Zeit gebraucht.

00:03:27: Dann wurde ich eingeladen und durfte mich vor Ort und mein Projekt vorstellen, versammelt belegschaft.

00:03:34: Und genau hatte dann auch einfach das Glück, dass da der Oberstleutnant auch Fotografie interessiert ist.

00:03:41: Da glaube ich ein bisschen mehr Offenheit dem Ganzen gegenüber stand.

00:03:45: Auch in diesem Unikontext, in dem ich kam mit journalistischem

00:03:48: Background

00:03:49: ... Das war irgendwie interessant für die.

00:03:54: dann war ich vor Ort und habe auch das Glück gehabt gleich junge Frauen kennenzulernen, die offen dafür waren.

00:04:00: Und dann auch im Nachgang an mich herangetreten sind mit denen ich am Ende jetzt zusammengearbeitet

00:04:05: hab.".

00:04:06: Aber du hast Anfangs ja gesagt dass du eigentlich eine Aufgabe hattest, die sich um Wut dreht!

00:04:11: Wie passt das zusammen?

00:04:13: Ja also wir sollten in dem Seminar uns mit Krisen, mit Demos oder was auch immer wo irgendwie Formen von Wut in einer Thematik sich befinden damit auseinandersetzen.

00:04:26: und für mich hat das Thema Bundeswehr ganz lange kaum stattgefunden bzw.

00:04:31: so eine große Distanz in mir ausgelöst oder Ablehnung ausgelösst dass ich Einerseits mich gefragt habe, ist das eine Wut auf einer Berufsgruppe?

00:04:44: Die ich vielleicht auch verspüre.

00:04:46: Wo kommt die her?

00:04:47: Ist es tatsächlich berechtigt?

00:04:49: Stimmen all die Vorurteile, die ich vielleicht habe, tatsächlich?

00:04:55: Ist meine Ablehnung berechtigend und aber eben alles was man so mitbekommen hat Das ist jetzt in der letzten Zeit ja noch vermehrter.

00:05:03: Die Diskriminierungsvorwürfe, Sexismus-Vorwürfen was so nach und nach jetzt aufpoppt... ...ist da tatsächlich etwas dran?

00:05:11: Wie sieht diese Institution wirklich aus?

00:05:14: Und das war einerseits ein Gedanke weshalb ich dachte es könnte zu diesem Seminar passen.

00:05:19: aber ich habe mich auch gefragt wie ist es eben als Frau dieser Institution, die auch als Schule der Männlichkeit bezeichnet wird zu leben alltäglich und sich da irgendwie so beweisen zu müssen macht einen das nicht wahnsinnig wütend.

00:05:35: Und ich habe mich probiert in die Rolle ein bisschen reinzuversetzen wie es wäre wenn ich junge Soldaten vor Ort bin sehr männerdominierten welt überstehen müsste genau.

00:05:50: und da habe ich gedacht das könnte sehr gut zu dem thema in dem rahmen passen.

00:05:54: und dann ging es los.

00:05:56: sie sind aber auch ein sehr offen gestellte theme immer bei uns an der hochschule gewesen.

00:06:01: also es gibt meistens einen oberbegriff, aber es war sehr freigestellt womit wir uns oder in welchem rahmen wir uns tatsächlich mit einem thema befassen.

00:06:10: Jetzt hast du gleich gesagt, dass Du Frauen begegnet bist.

00:06:13: Hast Du denn von oben ein bisschen einen Rahmen vorgegeben gekriegt?

00:06:18: In welche Richtung Du nicht recherchieren sollst?

00:06:21: oder warst Du wirklich völlig frei in Deinen Bildern und in Deine Möglichkeiten und in deinen Fragen?

00:06:27: Also völlig frei würde ich mal sagen...nicht!

00:06:31: Also recherchierend kann man ja alles, also ich habe parallel zu meinem ein fotografischen Projekt, die ganze Zeit wissenschaftlich recherchiert und viel gelesen.

00:06:42: Und da das jetzt eben auch mein Master-Thema war ist also eine ganz große Recherchearbeit zusätzlich einfach noch entstanden.

00:06:51: Als ich dann in der Kaserne selbst war, war es so dass ich immer mit einem Pressoffizier unterwegs war und nicht alles fotografieren durfte.

00:06:58: Es ist ganz klar geregelt, welche Bereiche nicht fotografisch abgelichtet werden dürfen oder an die Öffentlichkeit treten dürfen.

00:07:08: Ich durfte mich nicht alleine vor Ort bewegen.

00:07:11: also es war wichtig dass ich abgeholt werde vorne dann der Presseoffizier mit einem unterwegs ist und einem sozusagen über die Schulter guckt dabei.

00:07:20: das war auch eine große Umstellung für mich weil ich normalerweise aus Momenten heraus entscheide Was möchte ich denn jetzt fotografieren?

00:07:28: Ich dokumentiere das, was ich irgendwie sehe.

00:07:32: Und da war es ein bisschen anders.

00:07:34: Es musste sehr geplant sein, mein Aufenthalt.

00:07:38: Ich musste genau vorgeben, welche Motive wünsche ich mir heute, wo wollen wir hin?

00:07:42: und dann wurde da so'n Zeitraum von maximal zwei Stunden eingeräumt.

00:07:48: und dann war ich wie gesagt mit diesem Presso-Offizier unterwegs auf der Kaserne mit ihm rumspazieren und das Gelände kennenlernen, aber eben dann auch gleich von Anfang an die Soldatinnen kennenlern.

00:08:02: Und habe auch mit ihnen zusammen dann die ersten Interviews geführt.

00:08:05: Da hab ich ganz schnell aber gemerkt es funktioniert nicht.

00:08:08: Ich möchte ehrliche Erfahrungsberichte haben und war ganz dankbar dass ich dann auch Mit den Soldaten im Nachgang mit fast allen mich nochmal mehrfach in privaten Rahmen treffen konnte.

00:08:21: Und nach den Porträts oder beziehungsweise sind auch nicht alle Porträte gleich beim ersten Treffen, die allermeisten nicht beim ersten treffen entstanden.

00:08:28: Also es brauchte dann noch mal einfach ein bisschen mehr Zeit um so diesen echten Moment zu erwischen.

00:08:34: aber diese Gespräche und langen Interviews, die sind alle dann eher im privaten Rahmen entstanden und das wusste der Presseoffizier dass ich Kontakt zu denen habe und das war in Ordnung.

00:08:46: Die Bilder wurden dann im Nachgang insofern abgenommen, dass ich noch mal vor Ort war.

00:08:51: Aber auch mich um mich zu bedanken weil die sehr viel Zeit mir auch gewidmet haben der Oberstleutnant und der Presseoffizier Dass ich einfach vor ort war und nochmal die Bilder sozusagen mitgebracht habe unter einmal durchgeklickt hab was jetzt so entstanden ist Was Teil meiner meiner Masterarbeit wird.

00:09:09: also die kennen die Bilder Und das war dann auch in Ordnung.

00:09:14: Also es musste nicht nochmal schriftlich abgenommen werden, um zu der Frage zurückzukommen.

00:09:24: Vor Ort richtig in den Kasernen habe ich ungefähr vier, fünf Monate glaube ich gehabt immer mal wieder also eher drei Monate.

00:09:36: da war eine lange Pause und dann war ich noch einmal wieder da.

00:09:40: Aber ich habe eben auch neben den Kasernenfotos dann auch nach fast einem Jahr nochmal im privaten Rahmen die Frauen getroffen und auch da dann noch mal fotografiert, weil ich auch so ein bisschen einerseits Entwicklung verstreichen lassen wollte oder Zeit verstrechen lassen wollte das Entwicklungen stattfinden kann.

00:10:01: Und am Anfang war es für mich so nicht fotografieren nur in der Kaserne und dann habe ich gemerkt dass das reicht nicht.

00:10:08: Das Projekt ist noch nicht rund und dann eben auch durch diese Interviews, dass ich dann Zeit hatte das Sangen zu lassen habe.

00:10:16: Ich gemerkt, dass viele Zitate aus diesen Interview so prägnant sind, dass sich die in Bilder übersetzen möchte und bin dann halt nach einem knappen Jahr nochmal mit einigen Soldatinnen zusammengekommen und hab Bilder nachgestellt oder Detailaufnahmen dann im Nachgang nochmal außerhalb der Kaserne aufgenommen.

00:10:36: Viele Bilder wirken statisch und farblich fast schon, ich will nicht sagen entsättigt aber doch sehr zurückgenommen.

00:10:42: Hat das die Gegebenheit gebracht oder war das eine Entscheidung?

00:10:46: Das war ne bewusste Entscheidung.

00:10:48: also ich habe mich so ein bisschen fotografisch an dem Die Deal von Rinnike Dijkstra orientiert, sage ich jetzt mal der niederländischen Portriefotografin die ich sehr schätze und ihre Bilder sehr liebe.

00:11:02: Ich habe selbst nicht analog fotografiert aber ich wollte einen ganz klaren Bildaufbau haben.

00:11:09: Ich wollte ganz genau vorgeben auch irgendwie wo möchte ich vielleicht meine Protagonisten positionieren?

00:11:17: und gerade diese besagten Zitate, die ich dann auch in Bilder umgesetzt habe waren wirklich inszenierte Momente.

00:11:25: Also ich hab neben dem dokumentarischen Begleiten wo ich viel gesehen habe Dabei fotografiert habe sind ganz viele Bilder auch so entstanden, dass ich nachdem der Moment vorbei war.

00:11:39: Ich gefragt habe könnt ihr euch in diesem Moment nochmal begeben?

00:11:42: und ich dann auch eingegriffen hab aktiv um eben einen starken Moment noch präziser zu machen.

00:11:49: und auch von der Lichtsetzung es ist sehr platt sehr gleichmäßig ausgeleuchtet bewusst kein aktiv dramatisches Licht gewählt weil ich mich ab grenzen wollte von dieser Bundeswehr-Bildsprache, die sehr dramatische Lichtsetzungen nutzt.

00:12:09: Sehr krasse Farben und mit diesem grünen auch sehr doll spielt was ich einfach bewusst nicht nutzen wollte und meine eigene Bildsprache dafür finden wollte für das Projekt dass sich eben nicht um Bundeswehrwerbung handelt, sondern eine journalistischen Anspruch versucht einen objektiven Blick auf die Dinge zu bekommen.

00:12:33: So bin ich herangegangen und so sollte das Licht auch sein.

00:12:36: So sollte die Farblichkeit sein, dass das alles einfach nicht ablenkt von G-Sticken, von Mimiken, die die Frauen haben, sondern es wirklich um die Person selbst geht, um das Individuum schon bereits ein Gefühl irgendwie auslösen.

00:12:53: Deswegen habe ich mich da bewusst so zu entschieden, mit dieser reduzierten Farblichkeit zu

00:12:58: arbeiten.".

00:12:59: Frauen

00:12:59: sind in der Bundeswehr ja nun eine Minderheitengruppe.

00:13:02: Hast du das während deiner Arbeit im Umgang mit den Menschen die dir begegnet sind gespürt?

00:13:16: häufigsten war, habe ich das nicht so aktiv gespürt weil ich in einer Kompanie war wo einfach viele Frauen gearbeitet haben die dann auch bereit waren mit mir zu sprechen.

00:13:26: da waren eher wenige Männer wenn man sich aber auf dem Gelände frei bewegt hat was wieder etwas ganz anderes.

00:13:34: Da war ich neben dem Presseoffizier immer die einzige Frau die da unterwegs war Und das war schon ein komisches Gefühl, nicht nur weil man es nicht gewohnt ist so vielen Menschen zu begegnen die vor allem salutieren und stillstehen.

00:13:51: Weil ich mit dem Hauptmann dann da unterwegs war in alle in Uniform Ich war die einzige in Zivil.

00:13:58: Ich hab mich dann angepasst, das nächste Mal bin ich mit einer grünen Jacke hingegangen.

00:14:03: Hab mir total reduziert was ich sonst eher farbenfroh ... Es war unun bemerkt, habe ich nach dem zweiten, dritten Termin gemerkt dass ich mich auch auf einmal anpasse.

00:14:15: Das

00:14:16: ist ja spannend!

00:14:17: Ja, aber in Bezug auf die Frauenunterrepräsentation in der Kasernen, in der ich jetzt war.

00:14:23: Das habe ich so aktiv da nicht gespürt innerhalb der Kasernen, in denen ich fotografiert hab oder innerhalb der Kompanie sag' ich mal.

00:14:30: Also das ist ganz individuell von Kompanies zu Kompanien.

00:14:34: In welchem Bereich?

00:14:34: Die dann auch tätig sind.

00:14:36: Aber... Ich kann sagen es sind ja knapp dreizehn Prozent Frauenanteil innerhalb der Bundeswehr Und viele von denen sind tatsächlich auch in der Kaserne, in der ich jetzt viel unterwegs war.

00:14:52: Weil da... Was heißt weil?

00:14:55: Es wurde mir so erzählt, dass da einfach viel auch für Frauen getan wird.

00:15:00: Und es steht und fällt immer mit dem Oberstleutnant, der Person, die sich aktiv dafür einsetzt oder nicht.

00:15:10: Das funktioniert wohl laut Angaben der Einiger meiner Portekanistinnen dort relativ gut, dass es alle zwei Monate Treffen gibt, wo über Befindlichkeiten gesprochen oder die der Freiraum dafür gegeben wird, dass darüber gesprochen werden kann.

00:15:28: Wie wohl sich die Frauen vor Ort fühlen?

00:15:31: Das ist wirklich von Kasernen zu Kasernen sehr

00:15:34: unterschiedlich.".

00:15:35: Das ist spannend!

00:15:36: Ich hätte tatsächlich so ganz klischeehaft vermutet das es eher mit der Tätigkeit zusammenhängt, dass jetzt vielleicht ja im Sanitätsdienst mehr Frauen anzutreffen sind.

00:15:47: um welchen Teilbereich handelt es sich denn da?

00:15:49: wo in diesem Fall die vielen Frauen angestellt waren

00:15:51: ist tatsächlich auch vom Tätigkeitsbereich.

00:15:54: Auch hängt es damit zusammen, würde ich sagen das war jetzt im Aufklärungslehrbataillon Das ist der Nachrichtentrupp einfach viel Frauen anzieht, weil auch dort die Teilzeit-Tätigkeit etwas leichter ist.

00:16:08: Mir wurde oft auch gesagt dass ich bin nicht mehr richtig Teil der Gruppe seitdem ich Mutter bin, weil es immer noch nicht so hundert Prozent akzeptiert wird.

00:16:16: aber die Option ist vor Ort.

00:16:17: Es ist leichter vereinbar mit dem Dienst wenn du eben auch als Teilzeitkraft arbeiten möchtest, wenn du Mutter geworden bist und das ist in manchen Bereichen, je nachdem welchen Einsatzbereich man jetzt hat nicht ganz so einfach gegeben wie jetzt in diesem Nachrichtentrupp beispielsweise.

00:16:35: Eigentlich soll es ja eine Gleichbehandlung geben aber rein biologisch und aufgrund der Tatsache dass Frauen Kinder bekommen können und stillen ist das gar nicht immer so möglich?

00:16:44: Wie wird das gelöst?

00:16:45: Ja also wird so ein bisschen propagiert, dass es der Familie und Dienst super vereinbar ist.

00:16:56: In der Realität ist es... Also es gibt auch Kindergärten viele die dann explizit für Soldatinnen Plätze frei halten oder auch vor Ort an in Kasernen gibt es auch Kinder-Gärten.

00:17:09: Ich habe jetzt so'n bisschen die Erfahrung gemacht mit den Frauen, mit denen ich gesprochen hab Die Mutter sind Und auch jung frisch Mutter geworden sind Sie das zwar anmelden konnten und dass auch bewilligt wurde mit Teilzeit.

00:17:24: Es aber einfach halt in der Realität trotzdem total viele Hürden birgt, weil eben zu dem morgendlichen Antreten sie dann nicht mehr dabei sein können, weil da noch die Kinder gerade erst bei der Kita abgegeben werden können von den Zeiten her ganz viel gar nicht mehr so kompatibel ist und sich nicht mehr Teil der Gruppe fühlen, weil die allermeisten ... eben nicht in Teilzeit arbeiten und man dann so ein bisschen einfach hinten überfällt, genau.

00:17:51: Und wenn auch das Kind krank ist, wenn man mit Augenrollen dann da, du musst schon wieder nach Hause gehen entlassen wird, dass es einfach in der Realität doch nicht ganz so gerne gesehen oder so akzeptiert ist wie es immer doch gerne propagiert wird.

00:18:09: Ich glaube, dass das im vielen Unternehmen so ist aber in diesem kann ich mir jetzt besonders vorstellen.

00:18:13: Aber gut!

00:18:15: Welche konkreten Unterschiede zwischen Soldatinnen und Soldaten im Alltag sind dir denn noch aufgefallen?

00:18:21: Also ich muss schon ganz ehrlich sagen, dass jetzt der... also konkrete Unterschiede vor Ort mir so gar nicht auffallen konnten.

00:18:31: Weil ich auch

00:18:32: vor

00:18:33: Ort neben dem Pressoffizier und dem Oberstleutnant, also sehr hohen Dienstgraden – der Pressooffizier war auch ein Hauptmann mit kaum anderen männlichen Soldaten nahen Kontakt hatte außer bei diesen Spaziergängen, wo man dann eben immer begrüßt wurde.

00:18:51: Aber... in den Gesprächen oder jetzt auch bei Übungen sind mir auf den ersten Blick keine Unterschiede aufgefallen.

00:18:59: Aber da ich meinen Projekt aktiv auf den Blick auf Frauen reduziert habe, hab ich jetzt auch keine Interviews mit jungen Männern geführt um das herausstellen zu können natürlich durch die Recherchen.

00:19:13: Habe viel darüber gelesen aber ich persönlich hab vor Ort in der Kaserne keinen großen Unterschied feststellen können weil sie ja eben Genau das der Punkt ist.

00:19:23: also diese Gleichbehandlung findet definitiv statt, ob Frau oder Mann.

00:19:28: Also es geht ja immer so ein bisschen darum... Ist Gleichstellung jetzt auch gleich Behandlung?

00:19:34: In meiner Recherche habe ich irgendwie viel darüber gelesen in wie weit ist tatsächlich diese Integration jetzt nach vormundzwanzig Jahren Öffnung der Streitkräfte für Frauen.

00:19:43: Ist diese Integration geglückt oder nicht?

00:19:46: und es ist eben nicht unbedingt eine Gleichstellung, sondern eher eine gleiche Behandlung.

00:19:52: Und das ist so ein bisschen die Frage inwieweit nennt man das Integration?

00:19:57: Diese ganze Institution ist also von Männlichkeitsbildern geprägt.

00:20:03: Die heißt nicht umsonst auch die Schule der Männlichkeit und so traditionsgeprägt dass eben einfach nur von Frauen erwartet wurde und wird sich anzupassen, sich genau zu verhalten wie Männer es tun, sich unterzuordnen.

00:20:20: Was zwar auch die Männer tun müssen wenn man anfängt da in der Grundausbildung, sich diesem hierarchischen System so unter zu ordnen aber... Ja, da hab ich mich halt irgendwie gefragt in wie weit man das Integration nennen kann wenn einfach nur von einem erwartet wird sich wie ein Mann zu verhalten.

00:20:38: Und ... Das war so'n bisschen dieses Absurde für mich dass diese Anpassung für mich sich eher so angefühlt hat als würde den Soldatinnen vor Ort das Frausein aberkannt werden und das ist keine Integration für mich.

00:20:55: Es gibt ja Länder, in denen Frauen schon seit Ewigkeiten wie zum Beispiel Israel alle zum Militär gehen.

00:21:00: Es wäre spannend zu wissen, wie es dort gehandhabt wird wenn das schon so lange Zeit gilt und für alle Gilt und nicht nur für einen gewählten Teil, der sich dafür entscheidet.

00:21:09: Aber da interessiert mich auch noch mal... Du hast ja mit den Frauen gesprochen.

00:21:12: was war denn deren Motivation Soldatens zu werden?

00:21:16: Konntest du da so ein grobes Bild erkennen?

00:21:18: Nicht jetzt ein Bild oder eine Antwort die sich geholft hat das tatsächlich nicht.

00:21:22: es war schon sehr individuell.

00:21:25: Was vielleicht in der Ähnlichkeit bei allen Beweggründen war War dass sie irgendwie familiären Bezug hatten Das ist ein Elternteil oder aber irgendwie Großeltern, Onkel wie auch immer.

00:21:37: Auch bei der Bundeswehr waren oder sind und sie sich das für sich selbst auch gut vorstellen konnten.

00:21:43: Viele haben auch gesagt dass Sie durch diesen sportlichen Bezug also diese ja diese Wichtigkeit die eben auch Bewegung und Sport in dem Dienst einnimmt sie sehr gereizt hat und auch finanzielle Gründe dass es sehr gut bezahlt ist Und dann erst mal einfach nach der Schule gedacht haben, ich gucke mir jetzt diese Grundausbildung an.

00:22:07: Da ist ja nichts dabei und dann irgendwie da so ein bisschen hängen geblieben sind.

00:22:12: Und auf einmal in Verpflichtetendienst von siebzehn, neunzehn Jahren waren.

00:22:17: Jetzt mittlerweile wo einige vielleicht auch Mutter geworden sind sich ganz viel verändert hat und die auch nur noch warten, diese Zeit abzusitzen weil sie was anderes machen wollen oder der... der Dienst auch gar nicht mehr eigentlich kompatibel mit ihren eigenen Identitäten ist, oder damit dem Mutter sein nicht mehr für sie kompatible ist.

00:22:38: Das war ja ganz spannend was ich da so erfahren habe.

00:22:41: aber manche haben auch gesagt dass sie ursprünglich bei der Entscheidung für die Grundausbildung Deutschland dienen wollten also das das damals so noch überwiegend Grund auch war einfach für ihr Land im Fall der Fälle eintreten zu können und diese Priorität jetzt, wo sie Familie haben nicht mehr so gegeben ist.

00:23:00: Und auch die veränderte politische Lage im Land, dass sich einfach sehr verändert hat man aber immer noch in diesen zwölf, neunzehn wie auch immer Jahren drin steckt und das eventuell erst mal abwarten muss bis diese Zeit vorbei ist.

00:23:18: Das wäre nämlich meine nächste Frage gewesen weil eigentlich ist ja ein zentraler Widerspruch Personen, die Leben gibt und auf der anderen Seite beruflich ist sie Soldatin, die potenziell Leben nimmt.

00:23:32: War das auch ein Thema?

00:23:33: Dass mit Beginn der Mutterschaft das potentielle Töten infrage gestellt wurde mehr als vorher?

00:23:38: Also mit den beiden, mit denen ich sprechen konnte, die Mutter geworden sind – auch tatsächlich über den Zeitraum während ich sie begleitet habe noch mal Mutter geworden.

00:23:50: oder bei einer ganz explizit, dass sie gesagt hat ich bin nicht mehr kompatibel mit meinem Beruf.

00:23:56: Weil ich auch gefragt habe wie erklärst du das deinem Kind?

00:23:59: Das soll nicht mit Waffen hier spielen und ihr beide geht morgens zur Arbeit arbeitet mit Waffen und habt da tagtäglich mit zu tun, läuft mit den rum.

00:24:09: Weißt dein Kind davon?

00:24:11: Wie erklärt er Ihnen

00:24:12: das?".

00:24:13: Also es war auch noch so an der Schwelle von ist noch zu jung.

00:24:16: Das geht also versteht er noch nicht.

00:24:18: aber sie hat ganz bewusst gesagt dass diese Kompatibilität nicht mehr für Sie gegeben ist momentan und das sehr... eine emotional sehr, sehr schwierige Situation ist und sie da auch psychisch echt viel mit zu tun hat wie sie diesen Widerspruch gerade aushalten kann oder was da jetzt ne Lösung für is.

00:24:39: Und ja sie hat auch so ein Satz gesagt der mich extrem bewegt hat dass die in den emotionalen Zustand zurück versetzt wurde durch das Mutterwerden wie vor ihrer Grundausbildung Und ich habe mich ganz viel mit dem militärischen Sozialisationsprozess beschäftigt.

00:24:59: in meiner Recherche und auch beim Fotografieren, was das eben macht.

00:25:04: Dieser militärische Sozialisationsprozess vor Ort also diese psychische Herausforderung auch und diese Anpassung, was es mit der eigenen Identität macht gerade irgendwie bei jungen Menschen oder bei jigen Frauen die frisch von der Schule kommen noch gar nicht genau wissen wer sie sind und dann da sehr in eine Richtung gedrückt werden und eine Identität ausbilden, die vorgegeben ist.

00:25:27: Diesen Satz fand ich so spannend von ihr, dass sie sich durch dieses Mama werden jetzt in ihre Emotionalität und Sensibilität wieder zurückversetzt gefühlt hat wie vor der Entscheidung zur Bundeswehr zu gehen.

00:25:41: Spielt da auch ein bisschen dein Titel mit rein?

00:25:43: Er ist ja nun still gestanden und spiegelt ja auch so ein bisschen gehorsam wider.

00:25:47: und jetzt hast du gesagt alle werden ein bisschen in eine Richtung gedrückt.

00:25:51: Ist das der Grund, warum du diesen Titel gewählt hast um das zu unterstreichen?

00:25:55: Also einerseits das zu understreichen.

00:25:58: Der Titel ist ganz vielschichtig.

00:26:00: Einerseits ist es ja der klassische Befehl den man auch kennt also über das Wort stillgestanden verbindet man oder könnte Zusammenhang herstellen zu dem Thema Armee, Bundeswehr.

00:26:15: Weil es eben so im Alltagsgebrauch und nicht unbedingt ein Wort ist was man regelmäßig nutzt.

00:26:20: Gleichzeitig ist dieser Stillstand für mich auch etwas mit dem ich mich ja sehr viel beschäftigt habe ob Integration stattgefunden hat inwieweit nach dieser Öffnung Frauen wirklich Teil des Systems sind weil ja auch solange das Thema so in den Hintergrund gerückt ist in unserer Gesellschaft dass das einfach still stand und ganz viel eher ja zurückgebaut wurde, Batagione geschlossen worden, Kasernenreinweise abgebaut wieder wurden.

00:26:49: Die Flächen anders genutzt wurden.

00:26:51: Und da habe ich irgendwie einfach gedacht, dass ich diesen Stillstand mal reinschauen möchte ob es tatsächlich still steht immer noch oder viel passiert Diese Suche nach Weiblichkeit, auf die ich mich da begeben habe vor Ort Raum findet oder einfach nicht so wirklich vorhanden ist.

00:27:14: Das war diese Kombi aus diesem Befehl, diesem ganz klassischen Stillgestanden was ja das begrüßen und salutieren auch ist.

00:27:24: was mir so begegnet ist in der Kaserne ganz regelmäßig, dass allen niedrigeren Dienstgraden uns so begrüßt wurde.

00:27:32: Also ich mit dem Hauptmann und zusammen unterwegs das wir so begrüsst wurden, dass mir dieser Befehl stillgestanden vor Ort wahnsinnig präsent irgendwie war.

00:27:42: Und dann gleichzeitig diese Kombination mit dem Begriff des Stillstands.

00:27:45: Du hast eben davon gesprochen, wie sehr Weiblichkeit sichtbar ist und da fällt mir eines deiner Bilder ein auf dem man einen Knie sieht.

00:27:54: Auf dem eine Hand liegt.

00:27:56: Möchtest du da mal erzählen was die Aussage dahinter ist?

00:27:59: Ich habe eine Vorstellung aber vielleicht lege ich falsch.

00:28:01: Ja das is eins von den übersetzten Zitaten aus meinen Interviews oder aus diesen Erfahrungsberichten von den Frauen und es stellt den Moment dar Frisch in der Grundausbildung, Anfang zwanzig.

00:28:18: Die eigentlich ein sehr freundschaftliches Verhältnis dachte sie mit ihrem Ausbilder, der mit der Ende fünfzig war hatte.

00:28:26: Sie war einer neuen Stadt hat eigentlich ein gutes Familien-Familien Background und er hat einfach ihre Familie total auch vermisst Und hat so ein bisschen in der Zeit als sie soweit weg war von zu Hause In ihm auch so eine Art Vaterfigur gesehen und hat sich gut mit dem Ausbildern verstanden War auch neben einer anderen die einzige Frau in ihrer Kompanie und wurde dann an einem Wochenende, an einem Sonntag-Nachmittag als sie zurück vom Heimatbesuch wiedergekommen ist auf die Stube des Ausbilders gerufen.

00:28:56: Und er sollte sich ihn gegenüber setzen und er hat eine Flasche Wein aufgemacht und hat die Hand auf ihr Knie gelegt und ihr gesagt dass jedes mal wenn ich dich sehe bekomme ich einen Steifen.

00:29:07: das muss ich dir jetzt mal sagen Hat versucht, sie dazu zu überreden bleiben.

00:29:14: Sie war so versteinert und hat sich gefragt, muss ich dazu jetzt ja sagen?

00:29:20: Weil es hieß Befehle, die gegeben werden... Ich bin noch ein Nichts!

00:29:27: junges, naives Mädchen.

00:29:28: Sie wusste nicht wie sie sich verhalten darf weil ein Nein oder einen Verweigern eines Befehls eigentlich nicht geduldet wurde und sie sich in so eine Zwickmühle da irgendwie begeben hat oder einfach in so einer Situation wo sie nicht wusste darf sie aufstehen und gehen und jetzt aber geschafft.

00:29:48: sie ist gegangen und wurde auch relativ Kurz danach sowieso in einer anderen Dienststelle, in eine andere Kompanie versetzt.

00:29:56: Das war sowieso geplant aber sie hat ihren damaligen Ausbilder nicht gemeldet weil sie ihn und seine Karriere, er war auch Familienvater, nicht zerstören wollte.

00:30:07: also Sie hat das verschwiegen und niemandem erzählt bis jetzt Sie mir davon berichtet hat, acht Jahre später.

00:30:14: Also sie hat sich gesagt, sie hofft dass die Frauen danach alle auch so stark waren wie sie das sie aufgestanden ist und gehen konnte und einen kurzen Moment der Stärke hatte aber wirklich am überlegen war ob sie bleiben muss jetzt in seiner Stube.

00:30:30: Das ist hart wenn man wirklich als Frau überlegen muss ob für sich selbst einzustehen in so einem moment eine Befehlsverweigerung ist.

00:30:39: Sie hat das so beschrieben, dass es sich für sie so angefühlt hat.

00:30:43: Natürlich ist es offiziell nicht geduldet, so ein Verhalten.

00:30:47: Es ist natürlich absoluter Grenzüberschreitung und also einen sexistischer Übergriff als sexueller Übergriff auch wenn's dann körperlich noch nicht zu weiterem zum Glück gekommen ist, ist das ja ein Übergriff sollte man im besten Fall natürlich auch melden.

00:31:06: Und da gäbe es auch Anlaufstellen, auch bei der Bundeswehr wo man eben Fehlverhalten melden kann und soll.

00:31:13: aber ich habe eben oft in meinen Gesprächen mit bekommen dass das persönliche anvertrauen oft als etwas Negatives, oder man macht sich angreifbar durch das persönliche Anvertrauen gegenüber anderen.

00:31:28: Und es ist immer irgendwie der nächste Schritt einen höheren Dienstgrad zu erreichen wird von einem erwartet dass man nach ein gewisser Zeit und nach gewissen erfüllten Übungen immer einen weiteren Dienstgrad höher schreitet.

00:31:43: auf dieser Leiter Und das möchte man sich nicht irgendwie verbauen.

00:31:49: Das war ihre Begründung dafür, dass sie dann eben auch möglichst kein Fehlverhalten nach außen spielen möchte oder an höhere Dienststellen, Dienstgrade mitteilen möchte oder denen das wissen.

00:32:01: die das wissen lassen möchte.

00:32:02: Also es ist wieder so diese Frage von, lag die Schuld jetzt bei mir?

00:32:06: War das dämlich dass ich jetzt sowieso in seine Stube gegangen bin?

00:32:10: Warum fragt er mich Sonntagabend, dass sich auf eine Stube gehe?

00:32:13: und ich habe das auch noch gemacht.

00:32:14: also das ist halt wieder so... Das machen leider ja viele Frauen, dass man dann irgendwie die Schuld bei sich sucht.

00:32:21: Ja.

00:32:21: Es klingt auch ein bisschen wie einen Freifahrtschein.

00:32:24: Ich hab viele Geschichten gehört wo diese Machtpositionen hierarchischen System und mit diesem klassischem Aufbau von welcher Dienstgrad liegt, über welchem einfach häufig ausgenutzt wird.

00:32:36: Also das ist ein ganz klassisches Verhalten von außen zu von Machtpositionen und ich kann mir vorstellen dass das absolut kein Einzelfall war den ich da jetzt gehört habe.

00:32:47: Du hast am Anfang gesagt, dass du dich selbst überprüfen wolltest ob deine Vorurteile stimmen.

00:32:52: die Wie hat sich denn nach deinem Projekt deine Stimmung und eine Meinung geändert oder ist alles beim Gleichen geblieben?

00:33:00: Nee, das ist absolut nicht beim Gleichengeblieben.

00:33:03: Ich muss schon sagen dass es einfach für mich eine super fremde Welt war weil ich muss ja auch noch ein ganz bisschen weiter ausholen.

00:33:09: also ich habe ganz früher in meiner eigenen Schulzeit Ganz kurz auch so eine sportverrückte Phase gehabt, dass ich so ne Disziplinwelt irgendwie cool fand und dachte, boah.

00:33:20: Vielleicht wäre das ja auch was für mich?

00:33:23: Ich könnte ja mal überlegen, auch so ne Grundausbildung zu machen.

00:33:25: Ich kann mir vorstellen, dass sich das gut könnte!

00:33:28: Und dann bin ich zum Glück nach der Schule erstmal reisen gegangen und hatte auch Zeit, meine eigene Identität zu prägen oder auszubilden... ...und hab gemerkt, dass viel zu freiheitsliebend bin, viel zu komplett andere Werte habe und auch meine kreative Ader sich total ausgebildet hat in der Zeit weiter.

00:33:49: Dass der Gedanke dann in diese Welt einzutreten auf einmal wieder so fern war dass es sich umgewandelt hat in so eine extreme Ablehnung das dieser Gedankel für etwas zu arbeiten wo das Ziel ist potenziell Leben auszulöschen Sofern für mich war Ja, dass sich das einfach so umgewandelt hat in eine extrem tolle Ablehnung gegenüber dem Thema.

00:34:13: Und ich interessiere mich einfach auch fotografisch immer irgendwie für Themen, die mir entweder total fremd sind, wo ich irgendein starkes Gefühl für habe ob es jetzt totale Begeisterung oder eben Ablehnung ist und in diesem Fall war's einfach dieses Fremde und diese Distanz, die ich zu dem Thema hab, spannend, dass ich da mal gucken wollte wie dieses Welt halt einfach wirklich aussieht.

00:34:38: Und nachdem ich jetzt so gut vierzehn Monate mich mit der Thematik beschäftigt habe und eben auch mit meinen Protagonistinnen ganz eng zusammengearbeitet hab, und auch viele schockierende echt unschöne Erfahrungsberichte gehört habe hat sich trotzdem auch mein Schwarz-Weißdenken aufgeweicht muss ich gestehen.

00:34:58: also es ist absolut auch nicht Alles so einfach wie ich das vorher mit, ja das ist alles doof irgendwie abgetan habe.

00:35:08: Es hat sich die politische Lage extrem verändert in der letzten Zeit.

00:35:12: Unser System ist darauf aufgebaut dass das leider so funktioniert momentan noch.

00:35:19: Das ist hinterfragbar empfinde ich also ganz viel wie es momentan funktioniert mit dem stimmig nicht überein.

00:35:27: Sag mal konkret welche Punkte sind das?

00:35:29: Die Frage ob kriegberechtigt ist und dass man auch einfache dann als Institution so als Spiel bei verwendet werden kann, um eine Idee oder irgendeinem Wertesystem zu folgen hinter dem man nicht so hundertprozentig steht und unschuldige Menschen potenziell dafür töten muss.

00:35:52: Ist etwas was für mich niemals in Frage kommen würde Und deswegen jetzt gar nicht mal wieder wie dieses System Bundeswehr aufgebaut ist, dass ich mich da so unterordnen müsste.

00:36:02: Das wäre auch was womit ich nicht klarkommen würde wenn mir irgendjemand sagt was ich zu tun habe aber auch einfach der Gedanke an sich was heißt Bundeswehr?

00:36:12: die sind natürlich auch jetzt bei der Flughafterstrophe und das sind ja viele wichtige Einsatzbereiche auch die Bundeswehr abdeckt.

00:36:20: absolut also es Wichtig, dass da auch viele Menschen sind die helfen.

00:36:27: Ich stimme nur einfach nicht mit diesen Gedanken überein das man dann wie auch immer sich Deutschland entwickelt und verändert Wer dir dann von oben sagt, was zu tun muss.

00:36:40: Dass du das ausfüllen musst auch wenn sich eben vielleicht Dinge verändern und man das weshalb man damals gesagt hat ich möchte für Deutschland eintreten gar nicht mehr so aktuell ist.

00:36:50: Danke!

00:36:50: Du bist ja dein Protagonistin die Bilder auch gezeigt haben.

00:36:53: wir haben die da drauf reagiert?

00:36:56: Eigentlich durchweg positiv.

00:36:57: ein Glück also sie waren auch beim Entstehungsprozess relativ involviert würde ich sagen, also ich habe immer entweder vor Ort direkt auch auf meinem da ich ja digital fotografiert hab.

00:37:11: Vor Ort direkt Bilder gezeigt oder kurz um zu sagen was ich noch gerne verändern möchte nur dass sie eine Vorstellung haben wie es aussieht.

00:37:20: Aber die Allermeisten waren eigentlich sehr froh, über das Ergebnis oder auch mal einfach Happy Porträt so von sich zu haben.

00:37:28: Ich habe auch dann neben den Bildern, die ich jetzt ausgewählt hab, habe ich natürlich noch ganz viele andere Bilder gemacht wo auch mal die Frauen lachen und zwischen Momente sind ja befreundet untereinander.

00:37:41: Viele von denen und die Bilder habe ich denen alle zukommen lassen Und darüber haben sie sich sehr gefreut, weil man einfach kennt man ja selber eher wenig Fotos so gute Fotos von sich hat.

00:37:53: und dann auch in so einem Studios-Setup da haben Sie sich eigentlich sehr drüber gefreud.

00:37:58: Und auch einige waren jetzt bei der Ausstellung in Hamburg.

00:38:02: Ich habe meine Masterarbeit ausgestellt.

00:38:04: Da waren auch zwei der Soldatinnen und die haben sich darüber gefreuthet dass dem ganzen Thema Aufmerksamkeit geschenkt wird.

00:38:16: Einige auch immer noch sagen, das ist mein Traumberuf.

00:38:18: Ich finde es... Das ist das was ich machen möchte!

00:38:21: Was ja absolut in Ordnung ist.

00:38:23: haben sie das verstanden von woher ich komme?

00:38:27: und auch jetzt die Zusammensetzung der Bilder.

00:38:29: Es ist natürlich auch immer die Art der Auswahl.

00:38:32: Die Serie wie sie zusammengestellt ist erzählt ja auch ganz viel dass sich halt auch bewusst die lachtenden Bilder, die lachenden Porträts eben nicht integriert habe.

00:38:43: Damit es ja auch ein bestimmtes Gefühl übermitteln kann und in so einer kleinen Auswahl von acht bis zwölf Bildern irgendwie was erzählt.

00:38:54: Da ist das natürlich dann auch die Kunst zu den richtigen Bilder auszuwählen, die gut zusammen funktionieren und diesen Gefühl übermitteln.

00:39:03: Da wäre jetzt einfach so ein lachendes Porträt nicht an der richtigen Position gewesen, dadurch dass ich ja auch eben weiß was sie mir alles erzählt haben und diesen Interviewgedanken oder diese Zitate die ich in meinem Foto buche.

00:39:18: auch alle oder den Großteil mit einbinden konnte, sind in so einer Auswahl von zehn Bildern an der Wand natürlich nicht möglich einzubinden.

00:39:26: Und da ist dann halt einfach ja wie ich schon gesagt habe das wird die Kunst in einem oder zwei drei Bildern in der Kombi herzustellen dieses Unbehagen oder dieses Gefühl was ich empfunden hab bei denen Erzählungen die sie mir halt Ja, oder diese Erfahrungsberichte die sie mir da erzählt haben.

00:39:43: Du bist ja akademisch an das Thema rangegangen aber hast ja nun auch eine internationale Fotogyrie überzeugen können von deinem Projekt.

00:39:51: Wie sieht's aus?

00:39:51: Hast du da schon konkrete neue Ideen wieder teilzunehmen große Projekte zu starten oder war es wirklich so sehr Teil deiner Studienaufgabe dass du dich jetzt erst anderen Projekten widmest?

00:40:02: also hat begonnen als Studien Projekt würde ich mal sagen und ist dann ja auch weitergegangen als mein Abschlussthema, als meinen Masterprojekt.

00:40:10: Und ich arbeite grundsätzlich eher so dass ich an ein Thema sehr rechercherisch basiert rangehe.

00:40:17: Ich komme ursprünglich, ich habe Fotogenalismus und Dokumentarfotografie studiert im Bachelor und jetzt im Master eben etwas freier Reinfotographie an der HAW mit etwas konzeptionelleren Ansätzen.

00:40:30: aber trotzdem ist mein Grundgedanke geblieben das ich viel immer vorab recherchier und Hintergrundwissen brauche, um an ein Thema dann fotografisch rangehen zu können.

00:40:42: Und das war jetzt bei dem Thema auch absolut notwendig weil es so vielschichtig ist finde ich.

00:40:48: Ich habe das Thema für mich erst mal jetzt soweit abgeschlossen was die Soldatinnen angeht.

00:40:56: Ich hab derzeit so ein bisschen oder fange an gerade rein zu recherchieren in das Thema Erziehung oder auch der Familienbildung innerhalb einer Soldatenfamilie.

00:41:08: Also inwieweit sich eben auch dieser militärische Sozialisationsprozess auf einen jungen Menschen auswirken kann, der noch gar keine Entscheidungsmacht hat wenn das Kind von zwei Soldatinnen ist?

00:41:20: Das fand ich sehr spannend und da gehe ich jetzt gerade so ein bisschen rein dass es sozusagen als zweiter Teil der Arbeit funktionieren könnte.

00:41:29: anfangen.

00:41:31: Da habe ich noch nicht aktiv angefangen zu fotografieren oder ist natürlich auch mit Kindern nochmal herausfordernd da überhaupt Protagonistinnen zu finden, dass eben auch die Eltern und Kinder bereit sind das ich sie fotografieren darf.

00:41:44: Und die Bilder im besten Fall auch danach benutzen darf.

00:41:47: Da gehe ich so ein bisschen gerade rein.

00:41:49: aber ansonsten was jetzt das Thema Weiblichkeit in der Deutschen Bundeswehr betrifft?

00:41:55: Ist das für mich erstmal abgehakt nach London und nach diesem Preis.

00:42:01: Das wird jetzt ja gerade auch in London ausgestellt im Summer Set House, im Rahmen der Sony World Photography Awards.

00:42:08: Und das muss jetzt auch erst mal kurz sacken!

00:42:11: Da kann ich mich noch nicht ganz voll auf ein komplett neues Thema gerade... wieder einlassen.

00:42:17: und ja, das braucht noch einen kleinen Augenblick bis es weitergeht bei mir.

00:42:21: Aber darauf freuen wir uns einfach schon!

00:42:23: Wir sind nämlich leider bereits am Ende angekommen und warten geduldig auf deine neuen Projekte und verfolgen diese auch und in den Shownotes verlinke ich dich natürlich nochmal damit alle deine Bilder nochmal angucken können.

00:42:36: Ich danke dir Theresa sehr schön Und muss mich an dieser Stelle leider schon wieder verabschieden.

00:42:40: Mach's gut

00:42:42: Ja, vielen Dank für das Interesse und dass ich da sein durfte.

00:42:45: Das hat mir sehr viel Spaß gemacht!

00:42:47: Danke schön!

00:42:48: Tschüss!

00:42:55: Ciao!

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